Der Bund deutscher Innenarchitekten BDIA prämierte im SS 2013 erstmalig Abschlussarbeiten im Studiengang Innenarchitektur der FH „Peter Behrens School of Architecture“ (PBSA) in Düsseldorf. Die Sichtung der 40 Abschlussarbeiten erfolgte durch die Jury, bestehend aus Vera Schmitz (Präsidentin des BDIA), Peter Hultsch (Ehrenmitglied im BDIA) und Tanja Klang (Mitglied im BDIA).

Nach insgesamt 7 Stunden intensivster Prüfung fiel die Entscheidung auf zwei Bachelorarbeiten, die sich jeweils durch ihr „schlüssiges, komplexes Entwurfskonzept – welches konsequent umgesetzt“ wurde, hervorhoben.

Die „BDIAusgezeichneten“ Bachelor-Absolventen heißen:

Christian Hörmann _mit dem Umnutzungskonzept „U5 – Planungsbüro & Kochschule“
Linda Staudt _mit dem Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

Eine dritte Abschlussarbeit bewegte die Jury einstimmig zur Auslobung einer zusätzlichen Verleihung einer Urkunde. Die besondere Anerkennung wurde im Rahmen der Prämierung „BDIAusgezeichnet“ verliehen.

Die Würdigung „BDIAnerkannt!“geht an:
Kateryna Timokhina _mit dem Umnutzungskonzept „U5- Business & Veranstaltung“

 

Zur Aufgabe von Christian Hörmann
U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Das ehemalige Umspannwerk aus den Anfängen der 60er Jahre des letzte Jahrhunderts der Stadtwerke Düsseldorf ist seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb und
sieht somit einer neuen Bestimmung entgegen. Die Stadtwerke beabsichtigen die Immobilie gegebenenfalls zu verkaufen. Die Immobilie gliedert sich in eine zurzeit nicht zu überplanenden Baulücke im Bereich der Rethelstraße und zwei separate Gebäude im hinteren Teil des Grundstücks. Diese zwei voneinander abgelösten Gebäudeteile in Beton-/Ziegelkonstruktion wurden als Trafohaus und 2-geschossiges Schalthaus genutzt und sollen zukünftig einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Auszug aus seiner Thesis: Das Gestaltungskonzept sieht für die Gebäude eine Neunutzung als Zentrum rund um das Thema Kochen vor. In dem ehemaligen Trafohaus wird eine zweite Etage eingezogen, die als Büroetage für ein Architekturbüro oder ein Planungsbüro dient, das sich mit dem Planen von individuellen Küchen beschäftigt. Im EG ist neben einer Küche, die für Showzwecke, aber auch für die Mitarbeiter des Architekturbüros gedacht ist, ein Cookshop geplant, der hochwertiges Küchenzubehör verkauft. Die Trennwände zwischen den einzelnen Abschnitten werden durchbrochen und die obere Etage überspannt nicht die gesamte Gebäudebreite, wodurch die offene Gestaltung des Gebäudes beibehalten wird und ein etagenübergreifendes, kommunikatives Arbeitsumfeld entsteht.

Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrößern

Christian Hörmann: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Christian Hörmann: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Christian Hörmann: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Christian Hörmann: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

 

Begründung der Jury: Das Konzept besticht durch die klare Gliederung der gewählten Nutzungsbereiche, den sensiblen Umgang mit dem Bestand, einem geschickten Umgang mit der Fassade und insgesamt auf den Entwurf abgestimmten Materialien. Die Darstellung der neuen Elemente war in der Präsentation deutlich und der Planungstand sehr ausgereift. So stellten wir ein schlüssiges Gesamtkonzept mit praxisbezogenen, technischen Ansätzen fest.

 

Zur Aufgabe von Lida Staudt
Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

Die Ausstellung befasst sich mit fünf aussterbenden Wörtern der deutschen Sprache und
befindet sich auf der Bunkerebene in der alten Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen. Hier wurde von 1961 – 1993 Kohle verschiedener Qualitäten zur optimalen Kohlemischung vermengt.

Auszug aus ihrer Thesis: Fünf Worte vergangener Zeiten werden räumlich und atmosphärisch inszeniert und erlebbar gemacht. Sie sind Bestandteil der Roten Liste, einer Sammlung aussterbender Worte der deutschen Sprache, die mit Hilfe der Ausstellung reanimiert und in den täglichen Sprachgebrauch wieder integriert werden sollen. Die Begriffe werden ähnlich eines begehbaren Dudens separat behandelt. Die lineare Abfolge ergibt sich durch eine spürbare Intensivierung der Sinneswahrnehmung. Der Raum ist geprägt durch die gewaltigen Dimensionen und die Materialität der Betonwände, allesamt mit Kohlepatina belegt. Der Blick in die Tiefe weckt Assoziationen an einen überwältigenden Sog. Ein großes fiktives Vakuum lässt den Besucher die Luft anhalten.

Lida Staudt: Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

Lida Staudt: Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

Lida Staudt: Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

Lida Staudt: Ausstellungskonzept „Vergessene Worte“

 

Begründung der Jury: Das präsentierte Ausstellungkonzept schafft es, die abstrakte Aufgabenstellung als spannendes, leichtes Thema darzustellen. Um Wörter als Kulturgut in Räumen zu bewahren, wurde ein Industriestandort ausgewählt. Die Inszenierung lässt die Besucher die 5 vergessenen Wörter spüren und räumlich erfahren. Die plastische Darstellung der Begriffe war überzeugend und im Modell gut wiedergegeben. Die Präsentation war auf das Wesentliche reduziert -was positiv empfunden wurde- weil die Auswahl des Gezeigten sehr gut getroffen wurde.

 

Zur Aufgabe von Kateryna Timokhina
U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Als Konzept für Schalthaus und Trafohaus ist eine Mischnutzung von Business und Entertainment angedacht. Das Objekt sollte die Möglichkeit bieten, sowohl geschäftlichen als auch freizeitlichen Anliegen nachzugehen.

Auszug aus Ihrer Thesis: Das Bild von elektrischer Aufladung und pulsierender Transformation wird in der Einrichtung weitergeführt. Dafür steht als zentraler Akzent ein Spiegelobjekt, was sich entlang der Rückwand des mittleren Bereiches weitläufig nach oben entfaltet. Durch den Lichteinfall, von sich abwechselnden natürlichem und künstlichem Licht, bildet das Objekt eine Quelle permanenter Reflektionen und steter visueller Bewegung. In diesem Spannungsraum ist der zentrale Barbereich angedacht, die sich in unregelmäßig kantiger Form, durch den Raum windet.

Kateryna Timokhina: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Kateryna Timokhina: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Kateryna Timokhina: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Kateryna Timokhina: U5_ehemaliges Umspannwerk _Düsseldorf

Begründung der Jury: Eine charakteristische und phantasievolle Arbeit, die in Material und Farbe überzeugt hat. Eine energiegeladene Skulptur aus Spiegeln und Glas fängt die Besucher ein und übersetzt somit den Urzweck des Gebäudes in eine räumliche Gestaltung. -Sehr mutig, abstrakt und gelungen.

 

Texte: Gritt Bartels
Bildmaterial: jeweils vom Entwurfsverfasser